Wir blicken auf 80 Jahre Frieden zurück — ein historisches Geschenk, zugleich Mahnung, nicht Garantie.
Denn gerade in den letzten Jahren wird deutlich: Frieden bedeutet nicht automatisch Stabilität und Demokratie ist nicht unverwundbar.
Mit dem Erstarken rechtsextremer Parteien wie der AfD, zunehmender Normalisierung völkischer und nationalistischer Rhetorik, stellt sich eine beunruhigende Frage: Haben wir aus der Geschichte wirklich gelernt?
Mangelnde Resilienz scheint sich breit gemacht zu haben und ein Gefühl des Misstrauens gegen „die da
oben“. Ein gewichtiger Grund für diese Entwicklung ist die Passivität der politischen Elite. Statt klare Kante zu zeigen stehen taktische Überlegungen und Angst vor Wählerverlust ım Vordergrund.
Und die naive Vorstellung, man könne mit den rechten auf Augenhöhe diskutieren. Die politische
Mitte hat mehr mit sich selbst zu tun, verstärkt durch die wirtschaftlichen und internationalen Widrigkeiten. Dadurch schwindet das Vertrauen in die Demokratie. Die Verteidiger der Demokratie
müssten laut sein, aber sie schweigen.
Frieden ist mehr als Abwesenheit von Krieg
Frieden ist Respekt vor jedem Menschen, Schutz von Minderheiten, ein friedliches Miteinander und vieles mehr.
Was jetzt nötig ist, ist kein „weiter so“, sondern ein Weckruf. Die politische Bildung muss renoviert werden. Unsere Erinnerungskultur darf nicht untergehen. Demokratie muss verteidigt werden. Und zwar nicht mit Sonntagsreden, sondern mit konkreten Maßnahmen. Mit konsequentem Vorgehen gegen verfassungsfeindliche Parteien welches in einem Parteienverbot endet.
Denn ein Ende des Friedens in Deutschland wäre das Letzte.
Heiner Grönwald